Händedesinfektion in der häuslichen Pflege: wann, womit und wie lange
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Die Hände der pflegenden Person sind der wichtigste Übertragungsweg für Keime – zwischen Bad und Bett, zwischen Toilette und Küche, zwischen Wunde und Essen. Händewaschen mit Seife entfernt Schmutz, Händedesinfektion tötet Erreger. In der häuslichen Pflege braucht es beides, aber nicht ständig. Dieser Ratgeber zeigt, wann welche Maßnahme sinnvoll ist.
Wann desinfizieren?
Die Empfehlungen aus der professionellen Pflege lassen sich auf zu Hause übertragen. Händedesinfektion ist angezeigt: vor und nach jedem direkten Pflegekontakt, nach dem Wechsel von Inkontinenzmaterial oder Bettschutz, nach Kontakt mit Blut, Urin, Stuhl, Erbrochenem oder Wundsekret (auch mit Handschuhen), vor dem Richten von Medikamenten und vor der Wundversorgung sowie bei Infekten im Haushalt (Grippe, Norovirus, MRSA). Beim Kochen, nach dem Toilettengang und bei sichtbar schmutzigen Händen reicht gründliches Waschen mit Seife – anschließend lässt sich desinfizieren, wenn eine Pflegetätigkeit folgt.
Welches Mittel?
Alkoholische Händedesinfektionsmittel auf Ethanol- oder Propanolbasis sind der Standard. Sie wirken innerhalb von 30 Sekunden gegen Bakterien, Hefepilze und behüllte Viren (Influenza, Corona). Achten Sie auf die VAH-Listung – das Prüfsiegel des Verbunds für Angewandte Hygiene – und auf rückfettende Zusätze, damit die Haut bei mehrfacher täglicher Anwendung nicht austrocknet. Die Professional for you Händedesinfektion 500 ml von Dr. Schumacher (2,59 €) erfüllt beides und reicht für rund 160 Anwendungen. Gele wie das MyClean HB Gel 100 ml tropfen nicht und passen in die Tasche. Desinfektionstücher sind praktisch für unterwegs und im Auto. Bei Norovirus oder Rotaviren benötigen Sie ein Mittel mit dem Wirkbereich „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ – das steht auf dem Etikett.
Alkoholfrei – wann sinnvoll?
Alkoholfreie Tücher auf Basis von Benzalkoniumchlorid, wie die Septican Pure Wipes, brennen nicht auf rissiger Haut und riechen nicht. Ihre Einwirkzeit ist mit 3 bis 5 Minuten deutlich länger, und gegen unbehüllte Viren wirken sie nicht. Sie sind eine gute Ergänzung für empfindliche Haut, ersetzen aber bei Infekten das alkoholische Mittel nicht.
So wenden Sie es richtig an
- Eine Hohlhand voll (etwa 3 ml) auf die trockenen Hände geben – nasse Hände verdünnen das Mittel.
- Handflächen, Handrücken, Fingerzwischenräume, Daumen, Fingerkuppen und Nagelfalze einreiben.
- Die Hände 30 Sekunden lang feucht halten; ist das Mittel vorher trocken, war es zu wenig.
- Nicht abspülen, nicht abtrocknen.
Hautschutz nicht vergessen
Mehr als zehn Desinfektionen am Tag beanspruchen die Haut. Verwenden Sie nach der Pflegephase eine rückfettende Handcreme, tragen Sie bei Nässe Handschuhe und waschen Sie nicht zusätzlich zur Desinfektion – Waschen trocknet stärker aus als alkoholische Mittel. Bei Ekzemen oder anhaltender Rötung hilft eine Hautschutzcreme mit Urea.
Flächen nicht vergessen
Nachttisch, Bettgitter, Toilettensitz, Türklinken, Lichtschalter, Rollator und Fernbedienung werden mehrmals täglich angefasst. Einmal täglich – bei Infekten häufiger – mit Flächendesinfektion oder Desinfektionstüchern abwischen. Flächen müssen während der Einwirkzeit (1 bis 2 Minuten) sichtbar feucht bleiben.
Kostenübernahme
Hände- und Flächendesinfektion gehören zu den Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch: Mit anerkanntem Pflegegrad übernimmt die Pflegekasse bis zu 42 € im Monat, ohne Zuzahlung über die Pflegebox von pflegetipp.de. Den Mehrbedarf und Sondergrößen finden Sie in der Kategorie Desinfektionsmittel. Desinfektionsmittel sind Biozidprodukte: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.